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Die Zähmung der Bäume

Ein reicher Mann hat für den von ihm gegründeten Shekvetili Dendrological Park einige 100 Jahre alte, majestätische Bäume bestellt. Daher beginnt man überall in Georgien mit den Vorbereitungen.

Bagger räumen Steine aus dem Weg und ebnen einen Weg. Ihr Wurzelwerk wird freigelegt, und die Bäume werden samt ein wenig von der Erde, in der sie gewachsen sind, in ein Holzkorsett verpackt. Bevor ihr Transport beginnen kann, müssen andere riesige Bäume in ihrer Nachbarschaft und entlang der Straße, auf der sie reisen sollen, gefällt werden. Auch die eine oder andere Stromleitung muss gekappt werden. So kann der nächtliche Transport zur Küste am Schwarzen Meer erfolgen, wo der Baum zur Abholung bereitgestellt wird. Bevor das Schiff ablegen kann, erkunden Taucher den Grund direkt vor der Küste.

Weitere Bäume folgen. Mit langen Bohrern trennt man sie gänzlich aus dem Erdboden und verpackt sie ordentlich. Ein weiterer Sattelschlepper bringt seine besondere Fracht zum Meer. Dieses Spektakel lassen sich die Anwohner nicht entgehen und laufen dem Zug / dem Transport in Scharen hinterher. Sie machen Fotos mit ihren Smartphones, und manch einer muss, weil er von diesem Anblick so ergriffen ist, auch eine Träne vergießen. Zwar musste man auch vor ihren Häusern den einen oder anderen Baum für den Megatransport fällen, doch haben sie nun wenigstens eine Straße, wo vorher oft keine war.

So folgt die Überfahrt eines Baumes nach dem anderen über das ruhige Meer. Ihr neues Zuhause ist ein Park, in dem sie als Teil eines künstlichen Waldes wieder eingepflanzt und zur Stabilisierung mit Drahtseilen im Boden festgemacht werden. Ihre neuen Nachbarn sind ebenfalls meist Giganten, wie sie selbst, doch von völlig unterschiedlicher Art. Die meisten sind jedoch Obstbäume wie eine Kastanie und ein Mandarinenbaum.

DONNERSTAG, 20.01. 20 UHR